2. Etappe: Venedig - Wien

Die zweite Etappe hat begonnen und ist insgesamt 686 Km lang, gemäss Angaben von Outdooractive. Ich werde dafür mehr Zeit einsetzen als bei der ersten Etappe bis Venedig. Die ganze Sache ist kein Rennen auch wenn ich bei der ersten Etappe keinen Velofahrer an mir vorbeigelassen habe - ein alter Ehrgeiz - ein Spiel - ein Blödsinn.

Vielleicht werde ich mich auf der langen Reise noch weiterentwickeln...

Die zweite Etappe führt mich von Venedig nach Triest, Ljubljana, Graz und schliesslich nach Wien. So ist es geplant, so wird es vielleicht sein. Ich befahre damit drei Länder, nämlich Italien, Slowenien und Österreich.

Vorab das Rätsel:

Was ist das?

A) Tsunami - Sperren

B) Kanonenrohre aus früheren Zeiten?

C) Poller

D) Alteisen von früh entwickelten Höhlenbewohnern

Antwort: A,B,D sind falsch

Poller, das sind die "Pfosten" an welchen die grossen Meerschiffe mit Tauen am Ufer fixiert werden.

16. April: 1. Teilstrecke Venedig - Jesolo

Für heute hatte ich geplant mit dem Velo ca. 10 Km bis ins Zentrum von Venedig zu fahren, Comissario Brunetti zu besuchen und seinem Chef mal zu sagen was wichtig ist. Der Hotelier hat mich etwas schräg angeschaut und gefragt ob ich ein Schloss zum Fahrrad hätte, es wäre nämlich so, dass es auch ab und zu vorkomme, dass ein Velo noch dort steht wo man es hingestellt hat, in Venedig. Ich habe das gedeutet, die Chancen bei meinem Velo berechnet und den Rat des Hoteliers befolgt und bin an Venedig vorbeigefahren. Ich kenne dort sowieso jede Ecke wie meinen Hosensack. Venedig das ist doch dort wo es Gondeln hat, oder?

Ich musste deshalb im Mittelteil über eine stark befahrene Strasse radeln. Jedesmal wenn mich ein Lastwagen überholt hat, habe ich durch den Luftdruck einen Schwenker nach rechts gemacht. Es war eben auch etwas windig. Dank meinem Rückspiegel sah ich die LKW's auch immer anrücken und konnte mich etwas vorbereiten. Es ist vorbei, angenehm war es nicht. Dafür wurde ich auf der Anfahrt zum Meer in Richtung Jesolo mit schöner Landschaft und Vorfreude verwöhnt.

Jesolo, wer kennt es nicht? Vor allem die Leser ab 60 werden sicher alle schon mehrmals dort gewesen sein - ich nicht - noch nie. Jesolo, das tönt nach Ferien. Wir fuhren seinerzeit halt nach Ravenna, Donoratico, Cecina und auch nach Spanien nach Salou. Jesolo besteht vor allem aus einer einzigen wichtigen Strasse ca. 6 Km lang, mit beidseitig Hotels, Restaurants, Krims-Krams-Läden, und wie überall Kleiderläden. Was beeindruckt, ist die Länge der Strasse, welche abrupt zu beiden Seiten aufhört. Auf der einen Seite ist ein Camping, ein Bootshafen und der Leuchtturm, il faro, the lighthouse wie die Rezeptionistin sagte und am andern Ende nichts.

Ja dann hat es in Jesolo noch einen breiten Sandstrand, schön voll mit Baggern am Ausebnen für die Touristenplage im Sommer. Diese und Dieser waren heute schon da, ich war in kurzer Hose und T-Shirt am Rumschauen und Eis essen. Vielleicht komme ich nach nächsten 67 Jahren wieder mal hier vorbei, dann steht dann wahrscheinlich "das Wahrzeichen" nicht mehr (siehe unten Fotos).  Die Strecke auf dem Velo war 45 Km lang und ich war ca. 2 Stunden unterwegs.

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Nochmals: Die Texte zu den Bildern immer von links nach rechts den Bildern entsprechend, zuerst die oberste Reihe, dann die nächste usw. sofern es usw. hat.

- Ich dachte dieses Hochhaus sei das Wahrzeichen von Jesolo, ist es vielleicht auch. Man sieht es von weit her bei der Anfahrt.

- Strand mit Hunderten schön angeordneten Tischchen wo man dann "seinen" Sonnen-Mietschirm reinstecken kann.

- Strand mit Jogger. Ja was will man den sonst fotografieren hier?

- Strand mit mir, in mir selbst ruhend, warum nicht? (war müde)

- Strand, Wasser und meine Füsse drin. Die Temperatur hätte man in der Schweiz als warm bezeichnet - hier aber nicht.

- Strand. Mein Velo wartet, geduldig.

- Strand, also schon Strand aber nicht Sandstrand, und "il faro"

17. April: In Jesolo

Ja, die Überschrift sagt es, "in Jesolo". Ich bleibe noch einen Tag hier aus verschiedenen Gründen: 

1. Ich hatte mir am ersten Tag in Muri (bei Bern) ein zweites Handy gekauft mit der Absicht die hohen Roaminggebühren welche für Schweizer im Ausland entstehen zu umgehen. Dafür habe ich ca. CHF 320 bezahlt, ohne SIM-Card. Jetzt hier in Italien habe ich gestern einen Vodafone-Shop gefunden und da eine SIM-Card (prepaid) für 3 Monate gültig im ganzen EU Raum gekauft, Kosten CHF 50. Wenn ich normalerweise für 2-3 Wochen ins Ausland fahre, dann habe ich sofort eine Rechnung in fast gleicher Höhe, jedesmal, und ich bin Rentner, und ich habe Zeit mich im Ausland aufzuhalten, siehst Du worauf ich raus will? Rentiert doch. Nur, mit dem Handy muss ich mich noch anfreunden. Ich kann bereits in Google Maps rein und das wollte ich können, Anrufe gehen auch, aber nicht auf mein anderes Handy. Warum? Nun, heute eben gehe ich zurück in den Vodafone-Shop und frage nach. Ich habe aber jetzt zusätzlich eine italienische Telefonnummer. Wenn man mich anruft merkt man erst wenn ich zu sprechen beginne (stottern), dass ich kein Italiener bin.

2. Die Rezeptionistin hat mir einen Geheimtipp gegeben. Wenn ich die Halbinsel ganz rausfahre würde ich eine wunderbare Landschaft mit Flamingos usw. entdecken. Die Touristen hier würden das meist nicht kennen und das sei gut so. Sie (die Eingeborenen) würden sich damit einen kleinen Teil Eigenes bewahren. Sie hat in mir sofort den Naturmenschen entdeckt, denke ich.

3. Mein Hintern, immer noch schonungswürdig. Ich trage mich mit dem Gedanken den Sattel zu wechseln und den jetzigen mit anderen Dingen die ich ev. nicht benötigen werde nach Hause zu schicken, habe aber bis anhin noch nirgendwo unterwegs einen Veloshop gesehen. 

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Von l. n. r. und von o. n. u.

- Blick vom Ende der Halbinsel in Richtung Venedig, das nur wenige Km von dort liegt. Aber was fasziniert ist dieses türkis-blau, ich liebe es und auch

- diese Weite mit dem grau-braunen Sand und weit hinten ein paar Häuser, einfach so. Gibt's bei uns in der Schweiz nicht.

- Der Kahn mit dem Bagger drauf. Die Leute sind am Ufer stehen geblieben weil jeder dachte der säuft jetzt dann ab, so ein schweres Gerät auf einem so kleinen Schiff.

  Nun, dem war nicht so. Der hat mit der Baggerschaufel neue Anlegepfähle eingeschlagen, da wäre eben ein Vorschlaghammer zu klein gewesen. Als er wegfuhr

  hisste er vorne (Bild) und dann noch hinten je einen ca. 5 m langen Pfahl (ca. 30 cm Dm) aus dem Wasser. Damit hat er das Schiff stabilisiert. Clever.

- Die beiden letzten Bilder haben nichts mit Industrie zu tun. Die Anlagen sind Teil eines Vergnügungsparks, zur Zeit noch geschlossen. Einerseits sind das eine 

  Wasserrutschbahn und andererseits ein Bungie-Sprungturm, nichts für mich.

So war ich also heute auf dem Velo ganz im Westen der Halbinsel, fast in Venedig drüben. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, leichtes Treten, ohne Gepäck, mit maximaler Motorunterstützung. Ich habe eine Radwandergruppe aus Österreich von 25 Personen getroffen. Der Chef der Organisation war der Guide. Wir kamen kurz ins Gespräch. Er organisiert auch Touren in der Schweiz der Aare entlang bis Interlaken. Er hat mir angeboten, dass wir zusammen etwas organisieren könnten. Ich habe seine Webseitenangaben und seinen Namen. Mal schauen, warum nicht? Heute ca. 45 Km.

18. April: 2. Teilstrecke Jesolo - Triest

Heute habe ich unterwegs kaum diese innere Freude gespürt die mich normalerweis auf meinen Tagestouren begleitet. Ich sitze nur hier auf meinem Balkon in einem Bed & Breakfast, hoch über Triest, eine Stadt, die früher auch mal zu Jugoslavien gehört und scheinbar den „ Besitzer“ mehrmals gewechselt hat. Heute jedenfalls gehört dieser Ort zu Italien und liegt am nordöstlichsten Zipfel. Die Stimmung über der Stadt ist idyllisch, aber in der Stadt ist es lärmig und für meine Begriffe ist „schön“ etwas anderes. Es hat wohl einige antike Bauten im Zentrum, aber gefallen hat mir besser der alte, zerfallene Hafen. Die Reise hierhin fand mehrheitlich auf gut befahrenen Strassen statt, hoffe, dass das morgen besser wird. Mein Velo-Navy hat mich so geführt.

 

Zwei Begegnungen haben einen Kommentar verdient.

Unterwegs habe ich irgendwo in ländlicher Gegend etwas wie „Supermarkt“ gelesen und sofort hat es geschaltet bei mir im Kopf (nicht am Velo) – einkaufen, Früchte, Gemüse und vielleicht finde ich noch einen Stromadapter von Italia zu Schuko. Als ich eintrat fiel mir sofort auf, dass die Regale und nicht nur beim Frischgemüse nur halb belegt und das Angebot nur spärlich waren. Einzig Haarshampoo hatte es tonnenweise, klar, das verdirbt nicht. Muss eine eher ärmere Gegend von Italien sein hier dachte ich. Ich suchte dann noch nach dem Stromstecker und fand dann so 4-5 Stück in einer Schachtel zuunterst in einem Gestell neben der Kasse. Die Kassiererin machte mich darauf aufmerksam, das es einen kleinen und einen grossen Steckanschluss gibt in Italien. Ja welchen sollte ich jetzt nehmen? Ich nahm beide, für 2.50 pro Stück. Der eine war original in eine Verpackung eingeschweisst, den anderen holte sie bei einem Stecker im Laden wo bereits ein Kabel in Funktion war. Das Ding war bereits gebraucht. Sie hätten eben nur noch diesen. Gekostet hat er gleich viel wie der Neue, war mir aber egal. Ich kam dann noch ins Gespräch mit dem Chef des Ladens und wie sich herausstellte war er ein Jahr älter als ich – sah jünger aus. Warum er denn noch arbeite? Ja früher, da hätte er noch 3 Läden in der Region gehabt, die anderen zwei abgestossen. Er müsse noch arbeiten und zwar hätte er lange Tage, klar, wenn kaum einer in den Laden kommt braucht es Zeit für einen Tagesumsatz. Sein Laden hier hätte vor ca. 3 Jahren noch so um eine Million Euro Wert gehabt, jetzt höchstens noch 50'000. Alles sei überall am Zusammenfallen. Er tat mir leid, ein herzlicher Mensch mit seinem Schicksal, den richtigen Zeitpunkt verpasst.

 

Unterwegs bin ich gleich danach im nächsten Dorf noch an einem Unfall vorbei gekommen. Eine Frau lag auf dem Rücken, wahrscheinlich eine Fussgängerin oder Velofahrerin und wurde von der Sanität beatmet. Schlimm, Schock, hat mich nachdenklich gemacht. So schnell kann sich die Situation oder das Leben sich verändern. Da fährt man dann gleich etwas zurückhaltender.

 

Die zweite Person ist die „Herrin“, in England würde man sagen „Landlady“ meine jetzige Vermieterin meines Zimmers. Da ich wusste, dass die heutige Strecke nur etwa 130 Km betragen würde, bin ich mit den Akkus etwas sorglos umgegangen. Bin mit Stufe „Turbo“ gefahren und war dann schon so um 3 Uhr in Triest. Noch 2 Striche von 5 auf meinem Display (Akkustand) erlaubten mir keine grossen Suchstrecken mehr. Es war klar, das erste würde ich nehmen, unterwegs, keinesfalls im Zentrum von Triest. Nach steilem Aufstieg kam ich wiederum auf die Hauptstrasse und da war ein Transparent an einem Zaun fixiert B&B, eine Foto mit schönen, modernen Häusern und ein kleiner Aufstieg dorthin. Da muss es sein, Glück gehabt, dachte ich und fuhr rauf. Nichts angeschrieben weit und breit. Ich erkundigte mich bei einer Frau bei den neuen Häusern. Sie wie mich nach hinten und zeigte auf das gelbe Haus. Dieses steht neben den neuen. Auf dem Transparent waren aber nur die neuen Häuser drauf. Gut , keiner zu sehen – doch da schläft einer vor dem Haus unter einem Balkon in Unterhosen und T-Shirt auf halber Höhe Rundbauch. „Bongiornoooo“ sagte ich mit etwas Lautstärke, er wachte auf und stammelte etwas das ich nicht verstand. Schlussendlich begriff er was ich suchte und fragte mich ob ich denn angerufen hätte? „Nein“. Er zog sein Handy hervor und telefonierte. Kurz darauf kam sie – die Lady – von oben die Treppe runter, Mitte 50, etwas aufgepeppelt. „ Poi dormire qui per una notte?“ – „Si“  - „quanta costa?“- „septanta!“ – „septanta?“ „si septanta!“ (nun schreibe ich weiter auf Deutsch) „Das ist aber etwas viel“ – „Siebzig, höchstens Sechzig, ich habe meinen Preis“ meinte sie nun. Meinen Preis, kein schlechtes Argument, dachte ich. „Einverstanden“ Ich in Notlage, der Akku, was blieb mir anderes übrig? Sie zeigte mir das Zimmer, alles in rosa und so. Aber egal ich will hier nur einmal übernachten und einmal Duschen. „Der Boiler ist grad noch am aufwärmen, nein Garage für das Bike hätte sie nicht, ob ich auch Eier zum Frühstück essen würde, und wann ich Frühstücken wolle“.  Eine halbe Stunde nach meiner Ankunft kam sie und klopfte an meine Tür. Ich öffnete und als ich sie sah, hohe Schuhe, enge Hosen mit weissem breitem Strich von oben bis unten, die Oberweite sehr feminin präsentiert (nur halb bedeckt) und dann das Gesicht, ein Malkasten mit entsprechender Frisur... Sie würde jetzt gehen, ob ich grad bezahlen könnte. Tat ich und weg war sie, wohin wohl? Jetzt bin ich allein im grossen Haus, habe die Akkus geladen und Grosswäsche gemacht bei idealem Wetter (Sonne und Wind) und idealer Lage mit dem grossen Balkon. Bei der Grosswäsche wasche ich alles was ich schon mal getragen habe ob nötig oder nicht. Man fährt dann am nächsten Tag wie am ersten Tag der Reise in die Zukunft. Gutes Gefühl.

 

Es ist jetzt dunkel geworden während ich schreibe, kaum noch Verkehr auf der Strasse unter mir. Ich höre den „Korsikavogel“, den nenne ich so, weil ich den vor fast 50 Jahren dort zum ersten mal gehört habe. Es handelt sich um eine kleine Eule die einen einzigen, regelmässigen Ton in ganz regelmässigen Intervallen abgibt. Ich bewundere diesen Vogel, ein Leben lang diesen einen Ton perfektionieren mit einer grossen Beharrlichkeit.

Gute Eigenschaft.

- Blick bei der Ankunft über Triest

- Lastfrachter die vor Triest ankern (und Öl ablassen?)

- Die nächsten drei Fotos zeigen Details wie liebevoll man früher baute. Bilder aus dem alten Hafen, heute verlassen.

- Rollerboom, überall in Triest aber auch in den anderen italienischen Grossstädten.

- Blick über Triest von meinem Balkon.

19. April: 3. Teilstrecke Triest - Klagenfurt

Heute morgen bin ich 06.30 Uhr aufgestanden, habe alles für die Abreise vorbereitet, ich nehme mir immer recht viel Zeit. Das Frühstück war liebevoll vorbereitet und gut. Hatte meiner Landlady vergessen zu sagen, dass ich kein Fleisch esse, habe es halt stehen lassen. Ja, zu sagen war noch, dass die gestern beschriebene Gastgeberin heute morgen wieder ganz normal aussah und mir so auch viel besser gefallen hat. Sie war sehr herzlich und hat mir gute Fahrt gewünscht. Ja, für heute

hatte ich mir viel vorgenommen, 180 Km standen in meinem Plan und da waren ja dann noch einige Höhenmeter auf der Karte beim Übergang nach Österreich und auch gleich am Anfang bei Triest. Ich habe zügig gearbeitet mit einem Schnitt von ca. 23 Km pro Stunde. Unterwegs habe ich vor allem Slowenien durchfahren. Keine Fotos gemacht. Sieht aus wie bei uns in der Schweiz, die Vegetation, die Wälder, die Matten und im Hintergrund Berge mit Schnee. Andere Läden als bei uns sieht man hier auch nicht, doch ein kleiner Unterschied - Aldi heisst in Slowenien Hofer, übrigens hier in Österreich auch. Aufgefallen ist mir, dass ich auf den weiten Feldern keine einzige Kuh, kein Schaf, keine Ziege, kein Pferd usw. gesehen habe. Ganz wenige Äcker die bewirtschaftet werden. Warum wohl? Ich bin weder einkaufen gewesen unterwegs noch bin ich irgendwo eingekehrt. Die haben hier anderes Geld als Euros und das habe ich nicht dabei. Ich bin ja jetzt in Österreich und morgen geht's weiter in Richtung Wien. 

Was mich doch etwas geärgert hat ist, dass ich durch Ljubljana gekommen bin obschon ich diese Stadt vermeiden wollte. Gemäss Handy hätte ich vorher auf eine andere, etwas kürzere Strecke kommen sollen, aber dem war nicht so. Plötzlich war ich dort. Nichts Sehenswertes gesehen. Bin ich zu wählerisch oder war ich am falschen Ort der Stadt? Auf alle Fälle merke ich, dass ich diesen Verkehr und den Lärm nicht besonders schätze. Nur auf den Verkehr konzentriert sein, nicht das was ich suche.

- Eintritt nach Slowenien, für mich nicht relevant.

- Dieses Verkehrsschild gibt es bei uns nicht (mehr).

- Und plötzlich war ich auf einer Naturstrasse die mich eine gefühlte Stunde durch Wald und nochmals Wald führte. Ganz allein unterwegs, kein Auto, kein nichts.

- Hier Hofer, bei uns Aldi

- Eintritt nach Österreich durch einen Tunnel. Es war saukalt da drin, nur im T-Shirt 1,55 Km lang.

20. April: 3. Teilstrecke Klagenfurt - Bruck an der Mur

Heute war ich schon 0800 auf dem Sattel. Ja der Sattel der quält mich, hat's auf den linken Sitzknochen abgesehen. Etwas muss geschehen. Wie kann ich diesen Knochen entlasten? Einfach nur so auf dem Sattel hin und her, immer neue Positionen suchen hilft nach spätestens 30 Km nichts mehr. Also habe ich mal den Sattel ganz hoch gestellt, eigentlich zu hoch nach allen Regeln der optimalen Einstellung. Siehe da, war viel besser. Ich bin auf jeden Fall hier in Kapfenberg angekommen, immer noch mit demselben Sitz. Nachdem ich etwas im Ort rumgekurvt bin, mit einem Fahrlehrer gesprochen habe und der mir einen Tipp gegeben hat bin ich im Hotel Landskron gelandet. Da stand ein Bus, angeschrieben mit "Wacker Insbruck". Die Spieler sind alle hier im Hotel und haben heute Abend einen Match gegen die Einheimischen aus Kapfenberg. Wie immer diese heissen. Österreichischer Fussball, da kenne ich Namen wie Toni Polster oder Prohaska, aber die gehen wahrscheinlich längst an Stöcken.

A propos, meine Fahrt - ja was soll ich sagen? Mal war ich links vom Fluss "Mur", mal rechts. Sein zur Zeit braunes Wasser hat mich wirklich ständig begleitet. Schöne Gegenden hier, aber nichts Bleibendes sonst. Man muss einfach mal hier gewesen sein. 170 Km / 7 Stunden Fahrt, schätze ich. Wenn ich morgen bis Wien fahre werden's weniger Km als heute. Vielleicht mache ich dann wieder mal einen Tag Pause.

 

Was neu ist, dass ich mich jeden Tag in anderen Spiegeln sehe in all den Hotels. Nicht wie zuhause in vorteilhafter Position. Ja man wird alt. Im Halbdunkel bin ich ja noch so zufrieden mit meiner Figur, aber am Tageslicht im Zimmer, so nach dem Fahren - alter Mann - Runzeln überall. Dass so ein "Faltkarton" überhaupt noch Velo fährt.

- Ja die Gegend war schön, kenne ich aber auch von zuhause. Immer wieder die Mur.

- zu erwähnen vielleicht das zweitletzte Bild "die Bäckertauche". Man erahnt es, die Methoden von früher waren nicht immer die zimperlichsten.

 

Bäckertaufe war im Mittelalter eine Bestrafungsform für Bäcker, welche Brot mit zu geringem Gewicht oder minderwertiger Qualität herstellten. Eine solche Bestrafung wurde vom Volk oft als eine Art Volksfest gefeiert, bei welchem der Bäcker öffentlich an den Pranger gestellt wurde. Der Verurteilte wurde in einem Eisenkorb einige Male in Wasser oder Unrat getaucht, zusätzlich wurde er von den Anwesenden mit Steinen beworfen und gedemütigt. (Text ab Plakatwand).

21. April: 4. Teilstrecke Bruck an der Mur - Wien

Wiederum kurz nach 8 Uhr gestartet hatte ich anfänglich das Gefühl etwas wirr rumfahren auf den richtigen Weg zu kommen. Ich habe mehrmals angehalten und per Handy-App kontrolliert ob ich auf der richtigen Fährte bin. Ich war, auch wenn mein Gefühl mich genau in Gegenrichtung geführt hätte. Bis jetzt hat mich mein Navy noch nie versetzt, war immer auf der richtigen Spur. Nach ca. 60 Km gab es eine lange, lange Steigung auf sehr breiter Strasse bis in ein Skigebiet bei Semmering. Da lag aber kein Schnee mehr. Ich wurde durch eine sehr rasante Abfahrt mit Speed bis über 70 Kmh belohnt. Ich liebe solche und vor allem auch die Kurven. Das Velo ist sehr stabil mit den 25 Kg Gepäck hinten, einfach etwas träge dadurch, aber gut so und auch normal. Einmal unten fuhr ich dann einem wirklich schönen Bach entlang, was sage ich, Wasseranlagen, links und rechts des Weges. Für mich das erste mal dass ich einen Bach über einem kleinen Fluss sah, der aber weiterfloss und nicht in den Fluss mündete. Kaum mehr aufgefallen ist der Gegenwind, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass die Fahrt wirklich immer in die Richtung der Fahnenmasten geht, bzw. das Fahnentuch immer gegen mich schaut, nie umgekehrt.  Ca. 80 Km vor Wien dann endlose Ebenen ohne grossen Reiz bis dann ein wirklich guter Veloweg über längere Strecke nach Wien führte. Und dann eben Wien! 

Tak     -     Tak     -    Tak     -    Tak-Tak-Tak-Tak... Bei langen akustischen Abständen musst Du warten bei den Ampeln, bei kurzen kannst Du gehen und es geht ewig lang bis grün wird, und es hat alle gefühlten 5 m eine Ampel, und die Velowege muss man kennen, denn man erkennt oft nicht wo's weitergeht. Da wirst du verrückt. Velowege mit Ampeln in Ortschaften gut und recht  aber ich ziehe unser System vor wo man auch mal fährt wenn man nicht sollte. Hier halten sich alle sehr geduldig an die Gegebenheiten. Ich habe keinen gesehen der bei Rot irgendwo als Fussgänger, Velo- oder Autofahrer das rote Licht missachtet hätte. Die Autofahrer achten sehr auf die Velofahrer besonders beim Abbiegen und bei Fussgängerstreifen wo immer auch Velofahrer kreuzen. Übrigens punkto Velowege war das schon in Italien und Slowenien und jetzt auch in Österreich so, die Schweiz ist hier Schlusslicht, bedeutungslos. Da gibt es noch viel zu tun.

Zum ersten mal habe ich über eine Stunde ein Hotel gesucht. Das erste hätte mir ein Zimmer gehabt, aber zu teuer für das was es mir Wert ist und die nächsten drei waren ausgebucht. Ich habe dann auf dem Handy gesucht und dort ein Sonderangebot gebucht. Eine halbe Stunde später war ich dort und meine Buchung lag bei der Rezeption schon ausgedruckt auf dem Tresen. Schon super wie das heute alles funktioniert. Ja ich habe mit Frühstück 105 Euro bezahlt, was für Wien nicht viel ist und trotzdem das Meiste was ich bisher für eine Übernachtung bezahlt habe und dafür bin ich jetzt unter 4 Sternen. Als ich am Tresen stand kamen noch andere ins Hotel und fragten nach dem Preis für ein Zimmer. 197 Euro plus Frühstück! Ein Lächeln zog über mein Gesicht.

Mein Velo ist wieder schmutzig für meine Begriffe, ich werde nächstens wieder mal den Putzlappen aktivieren. Es funktioniert aber tadellos, keine Probleme bis jetzt.

- Skigebiet bei Semmering 

- Bach über Fluss

- Mein Mittagessen heute 

- Velowege Wien Agglo, mit Liebe gemacht

- Endlich, innerlich glücklich, ein Hotelzimmer gefunden.

Den nächsten Bericht findest du unter der 3. Etappe Wien-Berlin. Das nächste Rätsel steht schon dort.